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GT - Mit Linsen vor der Linse

Gelnhäuser Tageblatt
Von Daniel Börner



Warum sich ein ARD-Team der Hülsenfrucht widmet und bei Sabine Haupt in Waldrode dreht


LINSENGERICHT. Alle Lichter in der offenen Küche sind angeschaltet. Sabine Haupt hat ihre Hände zu einer Schale geformt. Darin liegen Linsen. Berglinsen. Direkt vor der Frau steht Jan Rimpl. Auf seiner Schulter eine große schwere Kamera. Sein rechte Auge drückt er an den Sucher, neigt seinen Körper etwas nach vorne, stellt den Fokus auf die Linsen ein. „Jetzt nicht bewegen, bitte“ sagt er kurz, dann drückt er auf Aufnahme.


Die Linsengerichterin Sabine Haupt war am Donnerstag der Mittelpunkt eines Kamerateams der ARD. Eigentlich ist sie Heilpraktikerin für Psychotherapie. Und gestaltet eigenen Schmuck. Und moderiert im Webradio MKW. Und GT-Leser kennen sie sicher als Freundin von Zeitungsmonster Kruschel, mit dem sie das Kruschel-Yoga veranstaltet. Das kommt Ihnen viel vor? Sabine Haupt nicht. Der quirlige Lockenkopf ist sich sogar sicher bei der Aufzählung noch irgendwas vergessen zu haben. „Das hört sich so wenig an, wenn ich das sage.“Egal, denn am Donnerstag machte sie nichts von alldem. Ihre Aufgaben sahen etwas anders aus, denn sie musste hauptsächlich eins: Vor der Kamera stehen und Linsen präsentieren. Berglinsen. Rote Linsen. Beluga Linsen. Teller Linsen. Gelbe Linsen. Und, naja, Schokolinsen – kleines Wortspiel.

Allerdings war es auch ein Wortspiel mit dem alles anfing. Die Fernsehsendung „ARD Buffet“ hat am 27. Dezember das Thema Linsen. Ein pfiffiger Autor muss dabei über den Ortsnamen „Linsengericht“ gestolpert sein. „Es wäre doch schön, wenn wir in der Sendung einen Beitrag aus dem Linsengericht bringen könnten“ dachte man sich bei dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. So kam der Stein ins Rollen. Die Gemeinde war von dem Vorschlag begeistert.

Erstens ist sie schon einiges gewohnt, was Wortspielen mit demnach Hülsenfrüchte klingenden Ortsnamen angeht, zum anderen erscheint bald die zweite Auflage des Linsengerichter Kochbuches. Somit wäre der Bericht auch keine schlechte Werbung.

Die Autoren waren auf jeden Fall davon begeistert. Bleibe nur noch eins zu klären. „Wir bräuchten eine Küche in der wir drehen könnten.“ Natürlich sollte diese schön und groß sein, der Besitzer oder die Besitzerin offen für den einen oder anderen Spaß. Eine Verwaltungsmitarbeiterin der Gemeinde war es dann, die den Namen Sabine Haupt ins Spiel brachte. Die ARD war zufrieden mit dem Vorschlag, zwei oder drei Telefonate wurden geführt und schon stand das kleine Kamerateam in Waldrode bei Sabine Haupt.

Schon bei der Ankunft des Autors und Kameramanns Jan Rimpl und der Tonassistentin Wiebke Wahl begrüßte Sabine Haupt die beiden herzlich, wurde aber gleich wieder zurück ins Haus geschickt. Daraus soll eine der ersten Szenen für den Beitrag entstehen. Also, Kamerastativ in den Schnee gestellt und Aufnahme: Wieder Tür auf, wieder lächeln, wieder winken, wieder „Hallo“ rufen. Wieder ganz gut. Jetzt auf einer Stelle stehen bleiben und das altbekante Lächeln, Winken, Rufen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Dabei natürlich zu wirken ist sogar richtig schwer.

Kameras veranlassen die meisten Menschen häufig zu völligen Gesichtsentgleisungen, eingefrorenem Dauerlächeln und krampfhaft angespannten Muskelpartien – Frauen meist im Bauch- und Pobereich, Männer in Brust und in den Oberarmen. Bei Sabine Haupt ist das anders. Sie präsentiert sich natürlich. Beim Lächeln zeigt sie Zähne und es graben kleine Grübchen in die Mundwinkel, auch nach der dritten Aufnahme.

Ähnlich herzlich und aufgeschlossen fröhlich ist sie als Gastgeberin: Der Dreh fängt nicht an, bevor das kleine Team nicht mit Kaffee versorgt ist. Mit Milch, mit Milchschaum oder doch lieber Tee? Davon gibt es auch eine ganze Menge, wohl dem Beruf der Heilpraktikerin geschuldet. Gekocht hat sie auch noch, natürlich ihr Gericht aus dem Linsengerichter Kochbuch. Als die Tassen mit dem gewünschten Inhalt dampfend auf dem Wohnzimmertisch standen wurde der Dreh besprochen. Linsen sollen als erstes gefilmt werden.

Dann soll die Linsengerichterin die Rolle einer Lehrerin übernehmen und Hintergründe dazu erzählen. Dass sie aus Vorderasienstammt, schon seit ungefähr 10.000 Jahren gegessen wird und eigentlich „Lens culinaris“ heißt. Auch diese Rolle wird souverän gespielt. Beim Sprechen merkt man ihr die Erfahrung die sie im Internetradio gesammelt hat an. Es folgen weitere Szenen: Sabine beim Kochen, beim Lesen aus der Bibel, beim Sitzen auf der Couch mit dem Kochbuch auf dem Schoß und beim erzählen einer kleiner Volksweisheit. Wie das alles zusammenpasst? Das kann man am 27. Dezember um 11 Uhr in der Sendung „ARD Buffet“ erfahren.

Zum Schluss des Drehs sitzt Sabine Haupt erneut auf der Couch. Diesmal mit Laptop. Die Kamera hinter ihr, dann vor ihr, dann neben ihr. Sie sucht nach dem Begriff Linse. Gefunden wird allerhand interessantes und wie das im Internet so ist auch skurriles. Zum Schluss findet sich die Kontaktlinse. Der Dreh endet also wie er anfängt: Mit einem Wortspiel.


Linsengericht, Dezember 2012


 

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