Neujahresgrußwort 2020


Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die Weihnachtsfeiertage sind vorüber, und wir blicken erwartungsvoll, aber auch mit gemischten Gefühlen in das neue Jahr 2020. Hoffnung auf eine bessere Weltpolitik ist nicht gegeben. Despoten, Autokraten oder auch nur unfähige Personen an Schalthebeln der Macht in weltbeherrschenden Ländern sorgen für Unruhe, weil sie Egoismus und Nationalismus statt Gemeinsinn fördern. Dabei wäre gemeinsames Handeln angesichts der drängenden Fragen unserer Zeit umso nötiger. So hat es den Anschein, dass eine junge Schülerin in wenigen Monaten mehr bewegen kann als hochrangige Wissenschaftler und Politiker in den vergangenen Jahrzehnten.

Aber auch im täglichen Umgang miteinander macht sich eine ähnliche Entwicklung bemerkbar. Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft sind eher die Ausnahme als die Regel. Niemand hat Zeit, jeder ist sich selbst der Nächste, ob im Straßenverkehr oder im Einkaufsmarkt. Zusammenhalt ist aber enorm wichtig, damit die Gesellschaft auch auf der überschaubaren Gemeindeebene funktioniert. Dauerärgernisse wie Hundekot oder parkende Autos, die Rettungswege versperren, sind nur zwei Beispiele, wie rücksichtslos manche Zeitgenossen sind. Und wenn das persönliche Wohl nicht erfüllt wird, sind leider Anfeindungen die Regel.

Da lobe ich mir unser Vereinsleben. Das Miteinander ist sehr stark ausgeprägt, soziale Verantwortung und Einsatz für den Nächsten selbstverständlich. Manchen Einwohnern würde es gut anstehen, sich mehr in den Vereinen zu engagieren und dort den freundlichen Umgang miteinander zu erfahren. Die Gemeinde Linsengericht unterstützt diese Aufgabe finanziell. Und anders als die hessische Landesregierung sehen wir darin keine freiwillige Leistung, sondern ein überaus wirksames Mittel für ein gedeihliches Zusammenleben auf kommunaler Ebene.

Für eine Kommune ist die finanzielle Ausstattung wichtig, um die Infrastruktur aufrecht zu halten und notwendige Sanierungen umsetzen zu können. Der größte Kostenfaktor ist auch bei uns die Kinderbetreuung. Nur 30 Prozent der Kosten kommen durch Zuschüsse oder Elternbeiträge zusammen. Die Differenz – in Linsengericht rund drei Millionen Euro – trägt die Gemeinschaft. Während sich Bund und Land der finanziellen Verantwortung entziehen, muss der Kommunalpolitiker vor Ort erklären, warum beispielsweise Grundsteuern erhöht werden müssen. Gleiches gilt für die Straßenausbaubeiträge. Das Land Hessen schreibt zwar, dass diese „abgeschafft“ sind, die Gemeinden aber sind nun selbst in der Pflicht, darüber zu entscheiden, ob Investitionen weiterhin über einmalige Beiträge, über wiederkehrende Beiträge für alle Einwohner oder aber durch Erhöhung der Grundsteuer zu finanzieren sind. Schlechte Aussichten für uns alle bei dieser Bundes- und Landesregierung.

Für das Jahr 2020 haben wir uns in Linsengericht viel vorgenommen. Die wichtigste Botschaft aber ist, dass die Steuern und Gebühren stabil bleiben. Wegen des enormen Preisanstiegs in der Baubranche enthält der vom Gemeindevorstand im Dezember 2019 eingebrachte Nachtragshaushalt überwiegend Kostenanpassungen für Baumaßnahmen. Unser Investitionsvolumen wird sich dadurch auf bisher nie erreichte rund 19 Millionen Euro erhöhen.

Mit dieser Rekordinvestition stellen wir wichtige Weichen für die Zukunft Linsengerichts: Die Neuausweisung eines Baugebietes und damit verbundene Erschließungsarbeiten zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei der Firma Breidenbach, die Verlagerung der Märkte von REWE und Aldi und die Errichtung eines sogenannten Ärztehauses mit behindertengerechtem Wohnen sowie mindestens 50 Bauplätze in den Baugebieten „Vor der Au“ und „Am Stückweg“ und der Neubau der Kindertagesstätte in Altenhaßlau sind die Herausforderungen für die nächsten drei Jahre. In Eidengesäß laufen die Planungen für den Neubau des Feuerwehrhauses auf Hochtouren. In Geislitz sollen Baugrundstücke „Im Weißgrund“ entstehen. Hier muss zuerst ein Regenrückhaltebecken gebaut werden. Für die Verwaltung bedeutet dies, neben der zuverlässigen und kompetenten Erledigung des Tagesgeschäfts, eine enorme Kraftanstrengung.

Dass die räumlichen Gegebenheiten alles andere als optimal sind, haben Sie, sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger, vielleicht schon anlässlich eines Besuchs im Rathaus selbst erfahren können. Insbesondere der Wartebereich des Einwohnermeldeamtes entspricht nicht heutigen Standards, datenschutzrechtliche Voraussetzungen können so nicht erfüllt werden. Ein aktuell erstelltes Brandschutzgutachten wird demnächst Thema im zuständigen Ausschuss sein. Unübersehbar ist, dass sich dringend etwas ändern muss.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der anstehenden Aufgaben in der Verwaltung. In diesen wie in allen anderen Fällen biete ich all unseren Bürgerinnen und Bürgern an, mich persönlich im Rathaus anzusprechen, um bestehende Probleme zu diskutieren oder Informationen aus erster Hand zu erhalten. Mit den besten Wünschen für das neue Jahr schließt dieser knappe Ausblick auf 2020, verbunden mit der Hoffnung, dass wir alle in den vor uns liegenden Monaten Gemeinsinn neu erfahren.

Ihr Albert Ungermann
Bürgermeister